New York ungeschminkt

Am nächsten Morgen nach der Heimschule machten wir uns gegen 13:00 Uhr auf zu einem ersten Abenteuer in New York City. Wir nahmen das Auto und Simon navigierte mich die 32 Meilen nach Manhatten. Über viele Brücken und Autobahnen, die mal links, mal rechts Ausfahrten haben und durch den Lincoln Tunnel. Immer wieder anhalten und Maut bezahlen. Knapp 45 Min. später waren wir mitten im Stadtdschungel von Manhatten.

Es war ein unbeschreiblicher Verkehr, praktisch in jeder Straße standen die Autos in langen Schlangen vor den Ampeln und man rückte nur Zentimeterweise vor. Überall hupte es, gelbe Taxen drängten sich zu Hunderten in den Fahrbahnen, LKW`s quetschten sich zwischenrein und niemand beachtete die Verkehrsführung und die Ampeln. Jeder drängelte, hupte und fuhr drauf los. Auch die Fußgänger beachteten die Ampeln nicht, zwischen den Stop-and-Go-Autos huschten sie auf die andere Seite und dann gab es noch die Geister-Fahrradfahrer, die links und rechts der Einbahnstraßen an uns vorbei sausten, in Konkurrenz mit den Skateboardern und Inlineskaters. Alles drängte sich an den schmalen Seitenstreifen, die zwischen Autospiegeln, entladenden Lieferfahrzeugen und Gehwegen nur sehr wenig Raum ließen.

Nach einer halben Stunde Stop-and-Go und unzähligen „Oh, schau da dieser Wolkenkratzer!“ „Achtung, Skateboardfahrer!“ „Rot, MAMA!!“ fing Hanna an zu jammern: „Mir ist schlecht!!!“

Hatten wir anfangs nur vorgehabt, durch Manhatten zu cruisen, bemerkten wir nun, dass wir mit dem Auto zu langsam vorwärts kamen und nur den halben Genuss hatten. Also beschlossen wir, noch 10 Blocks bis zum Central Park zu fahren, dort zu parken und dann ins Guggenheim Museum zu gehen.

Wir fanden eine Parkgarage in der 85. Straße und davor ein Schild:  $15,40 all day. ($15,40 für den ganzen Tag) Klingt gut, dachte ich und fuhr rein. Ein Mann kam und ich musste ihm die Schlüssel abgeben (so funktioniert hier das Parken). Ich fragte zur Sicherheit noch einmal nach, wie teuer es sei. Und das war sozusagen unser erster Kontakt zu einem echten New Yorker. Schnippisch fragte er zurück, ob ich die Schilder nicht gelesen hätte. Er wies mit der Hand auf eine Schilderwand, wo etwa 20 Schilder mit versch. Tabellen und Parkgebühren hingen. Dann sagte er, wenn ich länger als 2 h parkte, kostet es $25,- und unter 2 h $13,-.

Nun, diese Info passte eigentlich überhaupt nicht zu dem großen Eingangsschild und so fragte ich nach. Sichtlich erbost belehrte er mich: „When you get in by 10:00 am, it is $15,40 all day.“ (Nur wenn Sie morgens um 10:00 Uhr kommen, kostet es $15,40 für den ganzen Tag!) Ok, ich hatte keine Wahl, ich ließ ihn meinen Wagen einparken.

Wir besuchten den Central Park und das Guggenheim und dazu berichtet Hanna.

Danach wollte ich mein Auto wieder abholen. Es war nun 18:00 Uhr, wir waren etwas über 3 h weg gewesen. Ein anderer Parkhauswärter war nun da, er nahm meinen Parkzettel in Empfang und sagte, es koste $ 30,75. Hoppla, dachte ich, wie kommt nun das?

Und nun lernte ich das Verhalten von New Yorkern kennen, das sie berühmt und leider auch unsympathisch macht.

Ich: Sorry, ich hatte nicht mit soviel gerechnet. Der Kollege, der vorher da war, nannte mir einen anderen Betrag. Ich verstehe nicht ganz…

Wärter: Can`t you read? (Kannst du nicht lesen?)

Ich: Doch, aber ich verstehe es nicht. Bitte erkläre es mir. Warum kostet es $ 30,75?

Wärter: Get out of here and read the informations! I don´t have no time for stupid questions. (Raus hier und lies die Infotafeln. Habe keine Zeit für blöde Fragen)

Ich: Wie bitte?

Wärter: Get out of here!!! Get out and get towed! If you park the street you`ll get towed immediately! (Raus hier! Geh und park auf der Straße, da wirst du gleich abgeschleppt)

Er ließ mich einfach stehen, ich bekam keine vernünftige Antwort, die mir verständlich gemacht hätte, wie diese Parkhauspreise zustande kommen.

Auf unserer Reise von Westen nach Osten wurde nicht nur das Wetter eisiger, sondern auch die Menschen. Man kann einen direkten Zusammenhang zwischen klimatischer und menschlicher Wärme erkennen. Schon in Washington wehte ein anderer Wind als in Atlanta. Wir erlebten zwei Szenen, wo sich Angestellte so barsch verhielten, wie wir es in den ganzen 9 Wochen unserer Reise nicht erlebt hatten.

Das erste Mal, als wir das Air and Space Museum besuchen wollten. Simon hatte vergessen, dass er sein Messer noch in der Hosentasche hatte. Wir wurden gleich am Eingang zum Museum durch gecheckt und als die Wärterin das Messer entdeckte, schrie sie los: „Raus hier! Versuche ja nie wieder, mit einem Messer hier rein zu kommen!“ Simon und Hanna waren sichtlich geschockt. Und ich auch. Ich verkniff mir eine Bemerkung und dann versteckten wir das Messer draußen unter einem Busch.

Das nächste Mal wurden wir angeblafft, als wir bei der Metrostation eine Erkundigung über Fahrpreise und Mehrfahrkarten einholen wollten. Die Angestellte war überhaupt nicht bereit, uns Auskunft zu geben, sie verwies auf die Automaten, drehte sich um und ließ uns stehen. Ich kaufte selbstständig am Automaten und als wir am Abend dann nach Hause wollten, kamen wir aus der Metrostation nicht mehr raus, weil die Schranken sich nicht öffnen wollten. Eine (andere) Angestellte kam und brüllte uns an, am Automaten nach zu bezahlen, wir hätten zu wenig bezahlt. Ein anderer Tourist stand bei ihr und diskutierte mit ihr über das gleiche Problem, er verstand nicht, wo und warum er nachbezahlen sollte. Sichtlich genervt sagte sie schließlich zu ihm, wenn er noch weiter mit ihr diskutiere, würde sie ihn zu einer Strafe von $300,- verdonnern, weil sie ein Officer sei und er ihrer Anweisung nicht Folge geleistet habe. So stellte ich keine einzige Frage, wer weiß was dann passiert wäre?

Insgesamt ist New York schneller, lauter, hektischer und infolgedessen auch unmenschlicher als jede andere Stadt, die wir auf unserer Reise besucht haben. In unserem Reiseführer steht unter „Don`ts“ (Nicht tun!) in New York: „New Yorker haben es eilig. Auf keinen Fall auf dem Gehweg stehen bleiben! Wenn Sie stehen bleiben müssen, dann laufen sie solange mit der Menge mit, bis Sie eine geeignete Stelle finden, an der Sie ausscheren können!“

Wir sind gespannt, was wir in den nächsten 8 Tagen hier so alles erleben!!!

 

4 Gedanken zu “New York ungeschminkt

  1. Das klingt extrem spannend, wenn auch ernüchternd, mit dem Parkwächter. Bestimmt wird es aber auch überraschend freundliche Begegnungen geben… 😮
    Hier habe ich ein Lied für euch raus gesucht, erkennt ihr es?

    New York, New York

    Start spreading the news
    I am leaving today
    I want to be a part of it
    New York, New York

    These vagabond shoes
    They are longing to stray
    Right through the very heart of it
    New York, New York

    I want to wake up in that city
    That doesn’t sleep
    And find I’m king of the hill
    Top of the heap

    My little town blues
    They are melting away
    I gonna make a brand new start of it
    In old New York

    If I can make it there
    I’ll make it anywhere
    It’s up to you
    New York, New York

    New York, New York
    I want to wake up in that city
    That never sleeps
    And find I’m king of the hill
    Top of the list
    Head of the heap
    King of the hill

    These are little town blues
    They have all melted away
    I am about to make a brand new start of it
    Right there in old New York

    And you bet [Incomprehensible] baby
    If I can make it there
    You know, I’m gonna make it just about anywhere
    Come on, come through
    New York, New York, New York

  2. Das sind ja aufregende Texte – wir haben sie mit Vergnügen gelesen – und für mich (FE) waren sie auch nicht total überraschend, denn ich habe ja um die 5 Jahre in dieser Gegend gelebt. Das ist allerdings lange her (1959-64), und ich meine jetzt, in Gö. bin ich doch mehr „zu Hause“. Aber beneidenswert, was Ihr alles seht und auch erlebt, toll ! Wir verbringen den Jahreswechsel hier und fahren am 12.1, gen Klosters zum 48. Winterseminar. Sonst geht’s uns recht gut („lerne klagen ohne zu leiden“) Herzlich grüßen Euch Frieder + Gisela – und alles, alles Gute für 2013 ! Euch allen einen guten Heimflug !
    Weihnachten waren Georg u. Martin bei uns – zu unserer Freude.

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